Von WattRun · 12. Mai 2026

Bergrennen-Spezifischer 12-Wochen-Plan — wie du den Berg bezwingst

Ötztaler Radmarathon, Mortirolo, Stelvio, Großglockner Berglauf, Maratona dles Dolomites, Tour Trans Schwarzwald — wer schon einmal an einem Bergrennen oder einer Pass-Marathon teilgenommen hat, weiß: Das hat nichts mit "schnell fahren" zu tun. Es geht um gleichmäßige Wattabgabe über 30 bis 90 Minuten, an steilen Rampen, in dünnerer Luft, oft bei großer Hitze oder Kälte. Und es geht um eines: Wattzahl pro Kilogramm Körpergewicht.

Beim Bergrennen entscheidet nicht, wer die höchste FTP hat — sondern wer das beste Verhältnis aus Leistung und Gewicht mitbringt. Ein Fahrer mit 320 W FTP und 80 kg (4,0 W/kg) wird am Berg von einem Fahrer mit 280 W FTP und 65 kg (4,3 W/kg) abgehängt. Wer Bergrennen ernst nimmt, muss seine Vorbereitung darauf ausrichten — und nicht einfach "härter trainieren".

Dieser 12-Wochen-Plan ist genau dafür gemacht.

Was Bergrennen physiologisch fordern

Bevor wir in den Plan einsteigen, das spezifische Anforderungsprofil:

Typisches Power-Profil bei einem Pass-Marathon (z. B. Maratona dles Dolomites):

Voraussetzungen

Dieser Plan setzt voraus:

Die Plan-Struktur: 12 Wochen in 4 Blöcken

BlockWochenSchwerpunktTSS/Woche
BaseWochen 1–4Aerobe Basis, Volumen500–700
StrengthWochen 5–7Berg-Kraft, niedrige Kadenz700–850
SpecificWochen 8–10Lange Berg-Intervalle, Renn-Simulation800–1.000
TaperWochen 11–12Erholung, Auffrischung400–500

Block 1: Base — Wochen 1–4

Ziel: Aerobe Grundlage, Sweet Spot etablieren, Volumen aufbauen.

Wochenstruktur

Wochenvolumen: 10–11 h.

Schlüsseleinheiten

Sweet Spot (Di):

Long Endurance (Sa):

Krafttraining

In Block 1 zweimal pro Woche, klassisch:

Block 2: Strength — Wochen 5–7

Ziel: Bergspezifische Kraft, niedrige Kadenz, muskuläre Belastung.

Wochenstruktur

Wochenvolumen: 11–12 h.

Schlüsseleinheit: Low-Cadence-Intervalle (Do)

Diese Einheit simuliert Berg-Kraftaufwand bei niedriger Tretkadenz:

Wichtig: Low-Cadence-Training nur, wenn keine Knieschmerzen. Bei Beschwerden sofort abbrechen.

Berg-Wiederholungen (So)

Auf einem 5–10 min langen Anstieg:

Krafttraining

In Block 2 weiterhin zweimal pro Woche, aber etwas reduziert. Fokus auf maximale Kraft (3 × 4–6 Reps mit hohem Gewicht).

Block 3: Specific — Wochen 8–10

Ziel: Bergspezifische lange Intervalle, Renn-Simulation, Hitze-Anpassung.

Wochenstruktur

Wochenvolumen: 12–14 h.

Schlüsseleinheit: Lange Berg-Intervalle (Di)

Diese Einheit ist das Herzstück der Specific-Phase:

Alternativ:

Diese Einheiten simulieren die Wattabgabe auf einem langen Anstieg (Stelvio, Großglockner, etc.).

Renn-Simulation (Sa)

Sucht euch eine Strecke mit ähnlichem Profil wie das Saisonziel:

Hitze-Anpassung

In den 2 Wochen vor einem Sommerrennen:

Block 4: Taper — Wochen 11–12

Ziel: Erholt anreisen, Form festhalten.

Woche 11

Woche 12 (Renn-Woche)

Taper-Regeln

Watt/kg-Optimierung: Wie du das Verhältnis verbessern kannst

Bergrennen-Erfolg = Watt/kg. Du kannst die Ratio auf zwei Wegen verbessern:

1. Watt erhöhen

2. Gewicht reduzieren

Vorsicht — heikles Thema. Gewicht verlieren funktioniert, aber nur:

Faustregel: 1 kg weniger = ca. 1–2 % Verbesserung am Berg. Wer 5 kg zu viel hat, holt sich 5–10 % Tempo. Wer aber bei optimalem Gewicht weiter abnimmt, verliert Leistung (Hormonstatus, Muskelmasse).

Pacing auf langen Anstiegen

Pacing ist am Berg entscheidend. Strategie für 30–60 min Anstiege:

Klassisches Pacing

Steilrampen

Bei wechselnden Steigungen (z. B. Mortirolo mit 18 % Passagen):

Wattzahl > Tempo

Am Berg ist Tempo völlig irreführend. Nur Wattzahl zählt. Wer bei steiler Rampe das Tempo halten will, schießt über LT2 und zerstört sich.

Ernährung am Bergrennen-Tag

Vor dem Rennen

Im Rennen

Höhe & Hitze

Höhenanpassung

Wer in über 2.000 m Höhe fährt:

Häufige Fehler

Fehler 1: Zu wenig lange Anstiege im Training

Wer nur 10-min-Anstiege fährt, ist auf 60-min-Anstiege nicht vorbereitet. Lange Berg-Intervalle sind Pflicht.

Fehler 2: Falsches Pacing am Renntag

"Ich fühl mich gut" — und 10 min später ist Schluss. Wattbasiertes Pacing ist nicht verhandelbar.

Fehler 3: Krasse Diät kurz vorm Rennen

3 kg in 4 Wochen vor dem Saisonhighlight = Leistungseinbruch. Gewichtsmanagement gehört in Block 1–2.

Fehler 4: Kein Krafttraining

Bergauf ist Krafttraining wichtig — Studien sind eindeutig. Wer Krafttraining auslässt, lässt 2–5 % Leistung liegen.

Fehler 5: Hitze ignorieren

Ötztaler im August ohne Hitzeanpassung = Bonk-Garantie. Hitze-Vorbereitung gehört in den Plan.

Trainingssteuerung mit Daten

Bergrennen-Vorbereitung verlangt präzise Datenanalyse:

Mit WattRun lässt sich der Berg-Plan systematisch begleiten:

Fazit: Bergrennen ist eigene Disziplin

Bergrennen sind eine eigene Welt — und verlangen eine eigene Vorbereitung. Die wichtigsten Punkte:

Wer 12 Wochen strukturiert auf einen Pass-Marathon trainiert, kommt mit Reserven am Ziel an — und hat die Chance, am Schlussanstieg etwas zuzulegen. Wer ohne Plan startet, wird vom Berg gefressen.

Der Berg vergisst nichts. Bereite dich gut vor.

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Häufige Fragen

Was ist wichtiger — höhere FTP oder weniger Gewicht?
Watt/kg ist der entscheidende Marker am Berg. 1 kg weniger ≈ 1–2 % Verbesserung. Wer 5 kg zu viel hat: Gewicht reduzieren. Wer am Idealgewicht ist: FTP steigern. Niemals beides gleichzeitig in Specific-Phase.
Was ist Low-Cadence-Training?
Schwellenintervalle bei niedriger Tretkadenz (55–65 rpm) zur Simulation muskulärer Berg-Belastung. Trainiert spezifische Berg-Kraft. Nur ohne Knieschmerzen — bei Beschwerden sofort abbrechen.
Wie pace ich einen 45-min-Anstieg richtig?
Erste 5 min @ 85 % FTP (gemütlicher Einstieg), mittlere 35 min @ 92–95 % FTP (konstant), letzte 5 min @ 95–100 % FTP. Niemals länger als 2 min über LT2 — sonst Übersäuerung und Einbruch.
Brauche ich Hitze-Anpassung für den Ötztaler im August?
Unbedingt. In den 2 Wochen vor dem Rennen: 3–5 zusätzliche Sessions in warmer Umgebung (Sauna nach Training, Indoor mit weniger Lüfter). Schweißverlust dokumentieren, Elektrolyte testen.
Wie viel Gewicht abnehmen ist sinnvoll?
Maximal 1 kg pro Woche, nur in Block 1 und 2, mit Eiweiß hoch (1,8–2,0 g/kg). Niemals unter Idealgewicht — Performance sinkt durch Hormonstatus und Muskelverlust. Faustregel: nicht unter 5 % Körperfett.